Aikido Grundlagen

Die Dojo-Etikette

Aikido ist unter anderem ein Weg des harmonischen Umgangs miteinander. Daher müssen von allen Meistern und Wegschülern neben dem Studium der Techniken auch die traditionellen Formen und die ungeschriebenen Gesetze des menschlichen Zusammenlebens gelehrt und erlernt sowie beachtet werden.

Der Weg des Aiki (Do) wird im Dojo geübt und im täglichen Leben praktiziert. Die Übung des Weges gewinnt an Klarheit, Bedeutung und Wirksamkeit, wenn eine aufrichtige und vom gegenseitigen Respekt getragene Lehrer-Schüler-Beziehung gepflegt wird. Dies gilt in gleicher Weise auch für das Verhältnis der Übenden untereinander sowie ihre freiwillige innere Bindung an das Dojo.

Die Beachtung wesentlicher Umgangsformen macht einen Menschen glaubwürdig, ermöglicht eine verständliche Kommunikation mit anderen und hilft, die im Aikido angestrebte Harmonie zwischen den Menschen zu entwickeln und zu erhalten.

Der Gruß (Rei) ist die Ausdrucksform des Respektes und Grundlage jeder Etikette. Zu Beginn des Trainings wird er in der Reihenfolge Lehrer und Schüler zum Bild des Aikido-Begründers, O-Sensei Morihei Ueshiba, zwischen Lehrer und Schüler und der übenden Schüler zueinander ausgeführt. Nach Beendigung des Trainings erfolgt der Gruß in umgekehrter Reihenfolge.

Aikidoka, die den Gruß korrekt ausführen, bezeugen ihrem Lehrer und Partner Respekt und Dank. Es wird deutlich, dass sie wesentliche Prinzipien des Aikido verinnerlicht haben und vorleben.

Zu Beginn und am Ende des Trainings sitzen die Schüler in abnehmender Rangordnung (der Ranghöhere – vom Lehrer aus betrachtet – auf der linken Seite) dem Lehrer im Konzentrationssitz (Za-ho) gegenüber.

In Anlehnung an die traditionellen Dojokun (Dojo-Regeln) sollten die nachfolgenden Anweisungen besonders beachtet werden:

1. Sei pünktlich!
2. Komme regelmäßig!
3. Achte den Meister und die Schüler!
4. Jeder Partner ist für dich der Beste!
5. Sei höflich und bescheiden!
6. Übe unvoreingenommen die aufgezeigten Formen!
7. Fördere mit deinem Tun das gemeinsame Ziel!
8. Achte auf die Sauberkeit des Dojos!
9. Achte auf persönliche Sauberkeit!
10. Sei mit Freude bei der Sache!

Der Abdruck erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Verfassers. © Rolf Brand, 8. Dan Aikido

Fachbegriffe und ihre Bedeutung

Im Aikido – als aus Japan stammender Kampfkunst – werden Techniken, Positionen und Begriffe mit ihrer japanischen Bezeichnung angesprochen.

Hier einige der Begriffe zur Information:

Kamae Stand, Stellung, Position
Maai harmonische Distanz, Abstand, Entfernung zum Partner
Tegatana Gebrauch der Schwerthand
Sabaki Bewegung, drehen, geschickt ausweichen, sich verteidigen
Katate-tori Kokyu-ho Irimi Handbefreiung mit positivem Eingang
Katate-tori Kokyu-ho Tenkan Handbefreiung durch ausweichende Körperdrehung, negativer Eingang
Kokyu-ho in Za-ho Atemkraftübung im Aikido-Sitz
 Shizentai Grundstellung, natürliche Stellung
 Kamae Stand, Stellung, Position
– Migi-Kamae Rechtsstellung
– Hidari-Kamae Linksstellung
 Gyaku-hanmi Uke und Nage stehen sich in Rechts- und Linksstellung gegenüber oder umgekehrt
 Ai-hanmi Uke und Nage stehen sich diagonal gegenüber also beide in Rechts- oder Linksstellung
 Tegatana Schwerthand
 Irimi (Omote) direkter Eingang (positiv) zur Anwendung und Ausführung der Aikido-Techniken (innerer Eingang)
 Tenkan (Ura) ausweichende Körperdrehung (negativ) zur Anwendung und Ausführung der Aikido-Techniken (äußerer Eingang)
 Ukemi Verteidigung durch geschicktes Fallen
– Mae-Ukemi Vorwärtsfallen (-rollen)
– Ushiro-Ukemi Rückwärtsfallen (-rollen)
– Yoko-Ukemi Seitwärtsfallen
 Shikko auf den Knien gehen
 Uke Angreifer
 Nage Verteidiger
 Za-ho Aikido-Sitz
 Agura Bequemes Sitzen mit vorn gekreuzten Beinen (Schneidersitz)
 Ki geistig-seelische Kraft (Lebensstrom, Odem, Wille, Energie, innere Persönlichkeit)
 Kokyu Strom der geistig-seelischen Kraft
 Kokyu-ho Weg, andere durch Kokyu zu führen (abstrakt), oder auch Überwindung der wirkenden Kraft, Atemkraftübung (konkret)
 Kokyu-Nage Vermögen, den Angreifer durch Kokyu zu werfen
 Randori freie Übungsform ohne Widerstand des Partners
 Ju-no-Geiko geschmeidige (weiche) Übungsform
 Kakari-Geiko kraftvolle Übungsform

 

Angriffsarten

Katate-toriGriff einer Hand
Ryote-toriGriff beider Hände
Katate-ryote-torizwei Hände fassen ein Handgelenk
Mune-toriGriff zum Revers
Kata-toriGriff zur Schulter
Yoko-kubi-shimeWürgen von der Seite
Ushiro-ryokata-toriGriff beider Hände von hinten an die Schultern
Ushiro-kakae-toriUmklammerung von hinten
Ushiro-ryote-toriGriff beider Hände von hinten
Ushiro-eri-toriGriff von hinten in den Kragen
Ushiro-katate-tori-kubi-shimeGriff einer Hand und Würgegriff von hinten
Ushiro-kubi-shimeWürgen von hinten
Yokomen-uchischräger Schlag von vorn
Shomen-uchigerader Schlag von vorn
Shomen-tsukigerader Stoß von vorn
– jodanoberer Körperbereich
– chudanmittlerer Körperbereich
– gedanunterer Körperbereich
Kubi-shime/Yokomen-uchiWürgen und schräger Schlag von vorn
Ushiro-kubi-shime/Yokomen-uchiWürgen und schräger Schlag von hinten
Jo-toriStockangriff
Tanto-toriMesserangriff
Jiyu-Wazafreies Angreifen

Verteidigungstechniken im Stand (Nage-Waza)

 Shiho-Nage Schwertwurf
 Kaiten-Nage (uchi) Schleuderwurf (innen)
 Irimi-Nage Innen- oder Eingangswurf
 Aiki-Otoshi Aushebewurf
 Kaiten-Nage (soto) Schleuderwurf (außen)
 Koshi-Nage Hüftwurf
 Kote-Gaeshi Handgelenkaußendrehwurf
 Koshi-Nage-hiji-garami Armkreuzdreh-Hüftwurf
 Koshi-Nage-kote-hineri Handdrehhebel-Hüftwurf
 Juji-Garami Armkreuzdrehwurf
 Tenchi-Nage Himmel- und Erdewurf
 Sumi-Otoshi Eckenkippwurf
 Kokyu-Nage Atemkraftwurf

Verteidigungstechniken am Boden (Katame-Waza)

 Ude-osae (ikkyo) Armstreckhebel-Haltegriff (1. Stufe)
 Kote-mawashi (nikyo) Armdrehhebel-Haltegriff (2. Stufe)
 Kote-hineri (sankyo) Handdrehhebel-Haltegriff (3. Stufe)
 Tekubi-osae (yonkyo) Armpressdrehhebel-Haltegriff (4. Stufe)
 Ude-nobashi (gokyo) Armschlüssel (5. Stufe)